Das Gedicht U-netanneh Tokef zu Rosh haShanah und Yom Kippur

Nachlese zum Shiur über   ונתנה תוקף

Shiur als pdf

 

In den aschkenasischen Gebetbüchern für Rosh haShanah, und auch in manchen sefardischen, finden wir seit alten Zeiten das liturgische Gedicht (Piyyut) נְתַנֶּה תֺּקֶף קְדֻשַּׁת הַיּוֹם - „lasst uns die Macht der Heiligkeit dieses Tages [deklarieren]“.

Das Gedicht wird im aschkenasischen G-ttesdienst in der Wiederholung des Vorbeters nach der stillen Musaf-Amidah gesagt, und zwar unmittelbar vor der sogenannten „Kedushah“, jener Textstelle, an der Gemeinde und Vorbeter bei der Wiederholung der Amidah im Wechselgesang die Heiligkeit G-ttes preisen. Der Text soll als zur eigentlichen Kedushah überleiten, denn da zu Rosh haShanah die Heiligkeit G-ttes ein großes Thema ist, ergibt es Sinn, dieses auszugestalten.

Dieser Piyyut gehört innerhalb der Fülle von Piyyutim, die es für Rosh haShanah gibt, zu den bekannteren, und oft sind auch solche SynagogenbesucherInnen, welche nicht dem ganzen Text auf Hebräisch folgen können, mit einigen Zeilen daraus vertraut.

 

Viele Jahrhunderte lang galt als legendärer Verfasser des Piyyuts ein gewisser Rabbi Amnon aus Mainz, der im 12. Jahrhundert gelebt haben soll. Den Rest des Eintrags lesen »

Zum Monat Elul

Beitrag als pdf-Datei: Zum Monat Elul

Der Monat Elul hat als der letzte Monat vor Rosh haSchanah einen besonderen Charakter. Oft zitiert wird die Metapher von G-tt als ein König, der einmal im Jahr ins Land hinaus fährt und für jede/n zu sprechen ist. Während man sonst einen Termin braucht, um im Palast des Königs vorsprechen zu dürfen, und vielleicht gar nicht bis zum König vorgelassen wird, sondern nur einen Minister oder Beamten antrifft, ist es nun auch für kleine Leute möglich, direkt und ohne Barrieren den König zu sprechen, und zu sagen, was man braucht. In dieser Weise ist G-tt im Monat Elul sozusagen per „direktem Draht“ ansprechbar und können wir annehmen, dass unsere Bitten ohne den Filter allfälliger Hindernisse oben ankommen.

 

Für den Monat Elul wurden auch „Hinweise“ (רמזים) in den Texten des Tanach gefunden – und zwar indem die Anfangsbuchstaben oder Endbuchstaben der Wörter einer Textstelle „Elul“ (א.ל.ו.ל) ergeben. Den Rest des Eintrags lesen »

Vom Ausborgen weißer Gewänder und dem Weiterleben nach einem Bürgerkrieg

Dieser Eintrag ist die schriftliche Nachlese zum Tu-be-Av-Schiur der vergangenen Woche

Shiur als pdf-Datei: Tu-beAv

 

Zum 15. Av (Tu be-Av) lernt man gerne die letzte Mishnah aus dem Traktat Ta’anit. Während der Traktat Ta’anit, wie sein Name (Ta’anit = „Fasten“) nahelegt, über weite Strecken von unangenehmen Situationen spricht, schwenkt der Traktat zum Abschluss auf eine positiven Note:

אמר רבן שמעון בן גמליאל לא היו ימים טובים לישראל כחמשה עשר באב וכיום הכיפורים. שבהן בנות ירושלים יוצאות בכלי לבן שואלין שלא לבייש את מי שאין לו. כל הכלים טעונין טבילה. ובנות ירושלים יוצאות וחולות בכרמים.

Raban Shimon ben Gamliel sagte: Es waren nie so gute Tage für Israel wie Yom Kippur und der 15. Av. An ihnen gingen die Töchter Jerusalems hinaus in weißen Gewändern, die geliehen waren, um niemanden zu beschämen der kein (weißes Gewand) hatte.

 

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Vom Wert der G-ttesfurcht

Rosch Chodesch Av 5771

 

Ich will diesen Blog mit dem Thema „Yir’at Hashem“ (G-ttesfurcht) eröffnen, denn schließlich heißt es, dass sie der Anfang allen Wissens sei: ‘ראשית חכמה יראת ה Reshit Chochmah Yirat Hashem (Tehillim 111.10) - „der Anfang der Weisheit ist G-ttesfurcht“.

Nicht bloß diese eine, sondern zahlreiche Stellen im Tanach und in den rabbinischen Überlieferungen sprechen von der Bedeutung und Notwendigkeit der G-ttesfurcht. Klugheit und auch noch so eifriges Torah-Lernen alleine genügen nicht, wenn man nicht den nötigen Respekt vor dem Schöpfer hat.

 

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